Reinigungsempfehlung

Reinigungsempfehlung

Keramik aus Steingut

Pflege • Schutz • Langlebigkeit

 

1. Was ist Steingut?

Steingut ist ein poröses keramisches Erzeugnis, das bei Temperaturen zwischen 900 °C und 1.150 °C gebrannt wird. Im Gegensatz zu Steinzeug oder Porzellan sintert der Scherben beim Brand nicht vollständig durch – er bleibt leicht saugfähig und wasserdurchlässig. Deshalb ist Steingut stets mit einer Glasur versehen, die das Material vor eindringender Feuchtigkeit schützt.

Typische Verwendung: Dekorative Keramik, Geschirr, Fliesen, Vasen, Krüge und kunsthandwerkliche Objekte.

 

2. Krakele – Das feine Rissnetz der Glasur

Was sind Krakele?

Krakele (franz. craquelure) bezeichnet das feine, netzartige Muster von Haarrissen, das in der Glasur einer Keramik entstehen kann. Diese Risse durchziehen ausschließlich die Glasurschicht und reichen in der Regel nicht in den darunter liegenden Tonscherben hinein. Krakele gelten in der Keramikkunst oft als gewolltes und gestalterisches Element – in alten chinesischen Seladonglasuren zum Beispiel wurden sie gezielt als Dekor eingesetzt.

 

Wie entsteht Krakele? – Das physikalische Prinzip

Die Entstehung von Krakele im Gebrauch ist auf ein Zusammenspiel zweier grundlegend unterschiedlicher Ausdehnungsverhalten zurückzuführen: die thermische Belastung durch Temperaturwechsel beim Spülen und die feuchtigkeitsbedingte Ausdehnung des Tonscherbens im Laufe der Zeit.

 

a) Wärmeausdehnung beim Spülen in der Spülmaschine

Ein im Alltag häufig unterschätzter Auslöser für Krakele ist das Spülen von Steingut in der Spülmaschine. Der Prozess erzeugt gleich mehrere physikalische Belastungen, die gemeinsam die Glasur angreifen:

Während des Spülgangs wird das Keramikobjekt innerhalb kurzer Zeit auf 55–75 °C erhitzt. Dabei dehnen sich Tonscherben und Glasur aus – jedoch unterschiedlich stark, bedingt durch ihren verschiedenen thermischen Ausdehnungskoeffizienten (WAK):

Material

WAK (×10⁻⁶/K)

Verhalten bei Erwärmung

Tonscherben (Steingut)

ca. 5 – 7

Dehnt sich stärker aus

Glasur (typisch)

ca. 6 – 10

Dehnt sich mäßig aus

 

Da die Glasur stärker expandiert als der Tonkörper, entstehen an der Grenzfläche zwischen beiden Schichten Scherspannungen. Diese Spannungen konzentrieren sich besonders an bereits vorhandenen Schwachstellen der Glasur. Beim anschließenden Trocknungsgang kühlt das Objekt rasch ab – die Glasur zieht sich wieder zusammen, die Spannungsrichtung kehrt sich um. Dieser wiederholte Wechsel zwischen Ausdehnung und Kontraktion wirkt wie ein Ermüdungsprozess auf die Glasur und fördert die Entstehung oder Ausweitung von Krakele.

Hinzu kommt: Spülmaschinentabs enthalten stark alkalische Substanzen und Enzyme, die in mikroskopisch feine Risse eindringen und die Glasurstruktur chemisch angreifen. Wasserdampf bei hohem Druck dringt in den porösen Scherben ein und verstärkt die hygrische Ausdehnung zusätzlich.

Fazit: Jeder Spülmaschinengang stellt für Steingut-Keramik eine mehrfache Belastung dar – thermisch, chemisch und mechanisch. Auch wenn das Objekt zunächst unbeschädigt erscheint, summieren sich die Schäden über viele Spülgänge hinweg.

 

b) Feuchtigkeitsbedingte Ausdehnung des Tonscherbens

Der zweite wesentliche Mechanismus ist die hygrische Ausdehnung des Steingutscherbens. Da der Tonkörper porös bleibt, kann er im Laufe der Zeit Feuchtigkeit aufnehmen – durch Wasserdampf in der Luft, Kondensat oder direkten Wasserkontakt.

Diese Feuchtigkeitsaufnahme führt zu einer langsamen, aber dauerhaften Ausdehnung des Scherbens (Feuchtigkeitsdehnung, auch Hygrisches Quellen genannt). Die Glasur, die bei diesem Prozess nicht oder kaum mitdehnt, gerät dadurch unter Druckspannung. Übersteigt diese Spannung einen kritischen Wert, entstehen neue Krakele oder bestehende Risse weiten sich aus.

Dieser Prozess ist irreversibel: Einmal aufgenommene Feuchtigkeit führt zu einer permanenten Dimensionsänderung des Scherbens – selbst wenn die Keramik wieder trocknet, kehrt sie nicht vollständig in ihren ursprünglichen Zustand zurück.

Merke: Die Kombination aus thermischer Spannung (Abkühlung nach dem Brand) und hygrischer Ausdehnung (Feuchtigkeitsaufnahme über Jahre) ist die Hauptursache für Krakelebildung bei Steingut.

 

4. Reinigungsempfehlungen für Steingut-Keramik

4.1 Tägliche und leichte Reinigung

       Reinigen Sie Steingut mit warmem Wasser und einem milden, pH-neutralen Geschirrspülmittel.

       Verwenden Sie weiche Tücher, Mikrofaserlappen oder weiche Schwämme – niemals Scheuerschwämme oder Stahlwolle.

       Spülen Sie gründlich mit klarem Wasser nach und trocknen Sie die Keramik sofort und vollständig ab.

       Vermeiden Sie langes Einweichen in Wasser, da der Scherben sonst Feuchtigkeit aufnimmt und die Krakelebildung fördert.

 

4.2 Hartnäckige Flecken und Verfärbungen

       Leichte Flecken: Paste aus Backpulver und Wasser auftragen, 10–15 Minuten einwirken lassen, sanft abreiben und gründlich abspülen.

       Kalkflecken: Verdünnte Zitronensäurelösung (1 TL auf 500 ml Wasser) kurz einwirken lassen – nicht länger als 5 Minuten, dann sofort abspülen. Keine konzentrierte Säure verwenden.

       Eingedrungene Verfärbungen in Krakele: Vorsichtig mit 3%igem Wasserstoffperoxid betupfen, kurz einwirken lassen, dann mit Wasser abspülen. Danach gut trocknen.

Wichtig: Aggressive Säuren (Essigsäure, Salzsäure), Bleichmittel und lösungsmittelhaltige Reiniger können die Glasur angreifen und Krakele vergrößern. Diese Mittel sind unbedingt zu vermeiden.

 

4.3 Spülmaschine

Wie im Kapitel über Krakele-Entstehung ausführlich beschrieben, ist die Spülmaschine eine der häufigsten Ursachen für Glasurschäden bei Steingut. Die dreifache Belastung durch Wärmeausdehnung, alkalische Reinigungsmittel und Wasserdampfdruck macht jeden Spülgang zu einem Risikofaktor:

       Temperaturen von 55–75 °C dehnen Glasur und Scherben unterschiedlich stark aus und erzeugen Scherspannungen.

       Der rasche Temperaturwechsel beim Trocknungsgang kehrt die Spannungsrichtung um – ein Ermüdungsprozess, der sich über viele Spülgänge summiert.

       Aggressive Spülmaschinentabs greifen die Glasur chemisch an und dringen in feinste Risse ein.

       Wasserdampf unter Druck erhöht zusätzlich die hygrische Ausdehnung des Scherbens.

Empfehlung: Steingut stets von Hand waschen.

 

5. Schutz und Langzeitpflege

Lagerung und Umgebung

       Keramik an einem gleichmäßig temperierten, nicht zu feuchten Ort aufbewahren.

       Direkte Sonneneinstrahlung und Heizkörpernähe vermeiden (starke Temperaturschwankungen fördern Krakele).

       Objekte beim Aufstapeln mit Polstermaterial (Filz, Schaumstoff) trennen, um mechanische Beschädigungen zu vermeiden.

 

6. Kurzübersicht: Dos and Don'ts

  Empfohlen

  Zu vermeiden

Handwäsche mit warmem Wasser

Spülmaschine (Wärme- & Chemiebelastung)

pH-neutrale Reinigungsmittel

Aggressive Säuren & Bleichmittel

Sofort abtrocknen

Langes Einweichen

Weiche Tücher & Schwämme

Scheuermittel & Stahlwolle

Gleichmäßige, kühle Lagerung

Starke Temperaturwechsel

 

 

Dieses Dokument dient als allgemeine Pflegeanleitung für Steingut-Keramik. Bei wertvollen oder historischen Stücken wenden Sie sich an einen zertifizierten Keramikrestarator.

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