Die Welthauptstadt des Olivenöls namens "Jaen" in Andalusien
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Ein Meer aus Olivenbäumen
Wer sich Jaén nähert, merkt schnell: Hier bestimmt der Olivenbaum den Horizont. In der Provinz stehen rund 60 Millionen Olivenbäume, die zusammen fast die Hälfte des gesamten spanischen Olivenöls produzieren – etwa 20% der Weltproduktion stammen von hier. In sanften Wellen ziehen sich die Olivenhaine über Hügel und Täler, bei tiefstehender Sonne schimmern ihre Blätter silbrig-grün und tauchen die Landschaft in ein fast unwirkliches Licht.
Für die Menschen in Jaén ist Olivenöl mehr als ein Lebensmittel – es ist Identität, Kultur und wirtschaftliche Lebensader. Kein Wunder, dass sich die Stadt selbstbewusst „Welthauptstadt des Olivenöls“ nennt und diesen Titel mit jeder Ernte aufs Neue bestätigt.
Die Stadt Jaén: Zwischen Kathedrale und Kastell
Jaén ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordosten Andalusiens und zählt zu den ältesten Städten der Region. Wer durch die Altstadt schlendert, stößt unweigerlich auf die wuchtige Kathedrale Mariä Himmelfahrt, deren Renaissance‑Fassade als eine der eindrucksvollsten in Andalusien gilt. Hoch über der Stadt wacht das Castillo de Santa Catalina – von hier aus öffnet sich der Blick auf ein endloses Meer aus Olivenbäumen, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Jaén zum Synonym für Olivenöl geworden ist.
Neben der Kathedrale erzählen arabische Bäder, alte Stadtmauern und verwinkelte Gassen aus verschiedenen Epochen von Iberern, Römern, Westgoten und Mauren. Trotz dieser Fülle an Kultur bleibt Jaén vom großen Touristenansturm verschont, was der Stadt eine authentische, fast entspannte Provinz‑Atmosphäre verleiht.
Grünes Gold: Was Jaéns Olivenöl so besonders macht
Die Provinz Jaén ist das Herz des spanischen Olivenöls – hier entsteht ein erheblicher Teil des „flüssigen Goldes“, das weltweit in Küchen landet. Besonders bekannt ist die Sorte Picual, die in der Region dominiert: Sie steht für intensive Fruchtigkeit, eine deutliche Bitternote und eine leichte Schärfe, die von einem hohen Anteil an gesunden Polyphenolen zeugt. Daneben finden sich auch Sorten wie Royal, Arbequina und Cornicabra, die dem Öl jeweils andere Nuancen von mild und buttrig bis hin zu grün und würzig verleihen.
Die Olivenhaine von Sierra de Segura, Sierra de Cazorla und Sierra Mágina tragen geschützte Ursprungsbezeichnungen (DOP) und stehen damit für kontrollierte Herkunft und Qualität. Auf rund 550.000 Hektar werden hier Oliven überwiegend in Reih und Glied angebaut – so lassen sie sich mechanisch pflegen, ohne die traditionelle Sorgfalt bei Ernte und Verarbeitung zu verlieren.
Erntezeit: Wenn Jaén nach Oliven duftet
Zwischen November und Februar verwandelt sich Jaén in eine einzige große Erntekulisse. In dieser Zeit sinkt die Arbeitslosenquote deutlich, weil tausende Menschen in den Olivenhainen arbeiten – trotz moderner Maschinen wird ein großer Teil der Ernte nach wie vor per Hand durchgeführt, um die Früchte zu schonen und die Qualität des Öls zu sichern. Früh am Morgen sieht man Erntehelfer mit Netzen und Stäben zwischen den Bäumen, während sich Traktoren mit voll beladenen Anhängern ihren Weg zu den Mühlen bahnen.
In den Almazaras, den Ölmühlen, beginnt dann das eigentliche Herzstück des Prozesses: Die Oliven werden gewaschen, zerkleinert und schonend kalt gepresst. Das Ergebnis ist natives Olivenöl extra – die reinste und hochwertigste Form des Öls, direkt zum Verzehr geeignet und reich an Aromen, Antioxidantien und gesunden Fetten. Viele Mühlen bieten Führungen und Verkostungen an, bei denen Besucher lernen, Olivenöl wie Wein zu verkosten – mit Blick auf Farbe, Duft und Geschmack.
Olivenöl erleben: Reiserouten, Museen und Genussmomente
Wer Olivenöl in Jaén wirklich verstehen möchte, sollte sich Zeit nehmen, die Region zu erkunden. In der Provinz haben sich spezielle Oleotourismus‑Routen etabliert, auf denen Besucher Olivenbauern treffen, bei der Ernte helfen und an geführten Verkostungen teilnehmen können. Museen wie das Terra Oleum bei Mengíbar oder Häuser der Olivenölkultur erklären anschaulich Geschichte, Anbau und Verarbeitung – von der antiken Tretpresse bis zu modernen Zentrifugen.
Auch kulinarisch ist Jaén ein Paradies für Olivenölliebhaber. In Tapasbars werden Gerichte serviert, bei denen das Öl bewusst im Mittelpunkt steht: geröstetes Brot mit frisch gepresstem Öl, Salmorejo, Fisch aus der Pfanne oder Gemüse aus dem Ofen, alles veredelt mit einem großzügigen Schuss des regionalen Produkts. In nahegelegenen Städten wie Úbeda und Baeza – beide UNESCO‑Welterbe – finden sich zahlreiche Feinkostläden, in denen hochwertige Öle aus der ganzen Provinz angeboten werden.
Warum Jaén auf jede Spanien‑Bucket‑List gehört
Jaén vereint auf einzigartige Weise Landschaft, Kultur und Genuss – und das fernab der üblichen Touristenpfade. Wer hierher reist, erlebt Andalusien unverstellt: Morgens Blick über die Olivenhaine vom Castillo, mittags ein Spaziergang durch die Altstadtgassen, nachmittags ein Besuch in der Ölmühle und abends ein einfaches Gericht, das dank eines hervorragenden Olivenöls zum kulinarischen Höhepunkt wird.
Am Ende bleiben nicht nur Flaschen mit nach Hause genommenem Olivenöl, sondern das Gefühl, ein Stück andalusischer Seele kennengelernt zu haben. In Jaén versteht man, warum ein so simples Produkt wie Olivenöl eine ganze Region prägen – und zur Welthauptstadt eines Genusses werden kann.